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Montag, 31. Oktober 2011

Cherry Bomb und Marrybess proudly present: Siebdruck hinter den Kulissen. - Was ist Siebdruck und Teil 1 der Siebvorbereitung.

Teil 1 - Die Vorgeschichte findet ihr hier.

Zwar könnte ich euch noch länger auf die Folter spannen, wie die Geschichte des Siebdruckvorgangs weitergeht, aber mein Bewährungshelfer meinte, es würde für die Verhandlung über den Tatbestand der Verleumdung eines gewissen Zahnarztes, den ich als "Serial Filler" bezeichnete, besser sein, wenn ich beweise, dass ich auch sowas wie "Mitgefühl" anderen Menschen gegenüber zeige... Dabei zeigt dieses Beweisfoto, dass die Verleumdung VÖLLIG GERECHTFERTIGT sei, aber das ist eine andere Geschichte...

Also geht dieser Fortsetzungsroman zähneknirschend - des Zahnarztgeldbeutels füllend - in die nächste Runde...

Wo waren wir stehengeblieben?
Ach ja, Frau Bäss hat mir ein Schachbrett für meine "Schachmatt(e) To Go" vektorisiert und die Siebdruckvorlage ist bereits zusammengeschustert.



Dann müssen wir nur noch... Sieb
entschichten, Sieb föhnen, Geisterbildentferner auftragen, Geisterbildentferner abkärchern,
Sieb föhnen, Sieb beschichten, Sieb trocknenlassen, Sieb belichten, Sieb auswaschen, Sieb föhnen, Sieb abkleben, Farbe anmischen, Probedruck machen, Drucken, Textil föhnen und FERTIG. Puh!

Aber eins nach dem anderen...

Zuerst erkläre ich euch, was Siebdruck ist und wie man ein gebrauchtes Sieb von alten Motiven befreit.

Siebdruck ist genau gesehen eine Verfeinerung der Schablonentechnik, mit dem Sieb als Träger des Motivs.

Sicherlich kennt ihr alle die Tücken der Schablonentechnik: Mühsam muss man das Motiv mit dünnen Papier- oder Pappstreifen "ergänzen", so dass das Motiv nicht auseinanderfällt. Versucht mal aus einem Blatt Papier die Buchstaben eures Namens zu schneiden, um diesen dann mit der altbewährten "Zahnbürste-und-Kamm-Technik", die in Kindergärten heutzutage noch zum Kreieren wunderbar überflüssigen Bilder in Mode ist, zu "drucken". Dann werdet ihr schnell feststellen, dass ein "A" sich nur vernünftig drucken lässt, wenn das kleine Stückchen Papier, das die Mitte des oberen A-Teils bildet, nicht komplett ausgeschnitten wird, sondern mit zwei kleinen Papierstreifen mit dem Außen-A verbunden wird...

Die Verfeinerung dieser Technik wurde vor langer, langer Zeit in Japan entwickelt und zwar kamen die pfiffigen Künstler damals auf die Idee, ihre Motten auszuquetschen und Seidenfäden statt Papierstreifen als Träger der einzelnen Motivteile einzusetzen, weil diese Konstruktion dann doch einiges an Stabilität gewann.

Und noch später - es gibt keinen "Erfinder" des Siebdrucks in diesem Sinne, es ist quasi künstlerische Evolution der Schablonentechnik - wurde ein grobmaschiges Sieb zum Drucken verwendet. Die Stellen, die gedruckt werden sollten, wurden offen gelassen, denn durch so ein Sieb kann man prima Zeugs (wie auch Farbe) durchdrücken - sonst wär's ja kein Sieb, sondern ein Behälter!!!!- und die Stellen, die nicht gedruckt werden sollten, wurden dann einfach mit Papier oder mit anderen undurchlässigen Materialien (heute würde man vermutlich Tippex nehmen, wenn man Siebdruck nochmal neu erfinden müsste ... LOL) zugedeckt.

Und beim heutigen Siebdruckverfahren macht man nichts anderes als genau das. Die (Un)durchlässigkeit wird durch eine lichtempfindliche Schicht erzeugt, die man auf das Sieb aufträgt und die bei starker Lichteinstrahlung fest wird. Man muss dann nur dafür sorgen, dass die Schicht an den Stellen, wo man das Motiv drucken möchte, nicht mit Licht in Kontakt kommt. Dazu braucht man die Vorlage, die ich beim letzten Mal erwähnt habe, die man VOR das Sieb legt. Die ganze Chose wird dann mit einer starken Lampe beschienen (dauert mit einer herkömmlichen Lampe über 12 Stunden, aber mit speziellen Siebbelichtungslampen geht das innerhalb von wenigen Minuten) und voilà... dann kann das Drucken losgehen.

Aber mal langsam...

Zum Siebdrucken braucht man erst einmal ein Sieb.

Logisch. Ohne Sieb kein Siebdruck.

Ihr könnt euch entweder heimlich - mit einem herkömmlichen Küchensieb unterm Arm - auf eine Baustelle schleichen und im unbeobachteten Moment das besagte Sieb unter eine Walze legen, in der Hoffnung, dass es dann diese Form annimmt -->

Aber nach dem zigdrillionsten Versuch werdet ihr feststellen, dass es einfacher ist, ein fertiges Sieb beim Siebdealer eures Vertrauens zu kaufen. Spart Zeit und Nerven ;-)))

Die heutigen Siebe, die man zum siebdrucken nimmt, sieht man ihrer "Durchlässigkeit" übrigens nicht mehr an, da die Siebe so feinmaschig gerastert sind, dass man mit bloßem Auge die Siebmaschen nicht mehr erkennen kann. Je feiner das Sieb, desto feinere Motive kann man auch drucken.

Aaaaaaaaaaaber... so einfach wie es klingt, ist es nämlich nicht, denn unmotivierte Siebe (Siebe ohne Motiv... hehe...) sind selten. Siebe sind die fleißigen Bienchen unter den Motivträgern und haben eigentlich immer "volles Programm", d.h. ein Sieb ohne Motiv ist so selten wie ein Sieb ohne Motiv.

Kein Problem. Die Motive kriegt man auch wieder heruntergeputzt. Ein fertig beschichtetes Sieb sieht folgendermaßen aus (Motiv: Kopfhörer):

Man kann natürlich einen ganzen Harem von Sieben mit fertigen Motiven aufheben und für jedes neue Motiv ein neues Sieb verwenden. Sowas macht man in der Regel aber nur, wenn man mit einem Multimillionär liiert ist, was mir selten oder nie passiert... Deshalb zeige ich euch nun wie man Siebe entschichtet, damit man ein "neues" - sprich vom Motiv entleertes - Sieb aus den hochgekrempelten Ärmeln zaubert. Das geht ganz einfach, wenn man eine gut ausgestattete Werkstatt hat, die ausgerüstet ist mit einem Wasserauffangbecken samt Umweltfilter für die nicht so feinen Partikel, die in der Siebentschichtungsflüssigkeit enthalten sind. Deshalb sollte man Siebe nicht zu Hause entschichten, wenn man Wert darauf legt, nicht als Umweltsau betitelt zu werden. Wenn man wie ich mit umweltfreundlichen wasserlöslichen Siebdruckfarben arbeitet, kann man auch prima zu Hause drucken, aber zum Entschichten sollte man dann doch eine Werkstatt seines Umweltvertrauens aufsuchen *Ende des erhobenen Zeigefingerzeigens*...

Zum Entschichten trägt man die Entschichtungsflüssigkeit mit einem Schwamm gleichmäßig auf beiden Seiten des Siebs auf, lässt die Giftkeule kurz einwirken und geht dann rambomäßig mit dem Kärcher als Maschinenwasserpistole auf das hilflose Sieb los. Die Schicht löst sich dann schnell vom Sieb und lässt sich wie Butter runterwaschen:



Beim Drucken setzt sich nach einer Weile die Siebdruckfarbe auf den Siebfasern ab und selbst nach dem Entschichten und Neubeschichten (dazu an späterer Stelle mehr) sieht man sogenannte "Geisterbilder" auf dem Sieb. Das stört nicht weiter, denn solange die Siebfarbe nicht AUF dem Sieb eintrocknet und die Maschen verstopft, sondern immer schön ausgewaschen wird, kann man einwandfrei drucken, aber für die Langlebigkeit der Siebe empfiehlt es sich, ab und zu die Geisterbilder zu entfernen und dazu muss man nicht warten, bis Halloween vor der Tür steht, denn auch dazu gibt es Hilfsmittel aus der Siebdruckzauberkiste.

Dazu geht man folgendermaßen vor:

Man föhnt das entschichte Sieb trocken, pinselt dann den Geisterbild-entferner gleichmäßig auf Vorder- sowie Rückseite des Siebs, lässt ihn kurz einwirken und kärchert dann nochmals lässig im Rambo-Stil (ich gebe zu, das ist einer meiner Lieblings-tätigkeiten beim Siebdrucken... hehe...).



Tja. Dann nochmal föhnen und weiter geht's.
Ausgebildete Frisöre oder Frisösen sind quasi die idealen Seiteneinsteiger in das Siebdruckgeschäft. Man muss nämlich eine Meeeeeeeeeenge föhnen... Immer und immer wieder... *örks*

Allerdings wär ein Fortsetzungsroman kein Fortsetzungsroman, wenn sie nur 2 Teile enthält und deshalb zeige ich euch beim nächsten Mal, wie das Beschichten des Siebs und das Drucken vonstatten geht... *vielleicht*

Also, tut mir leid, aber ich bin immer noch ein Fan des "Cliff Hanger"s und das wird sich so schnell vermutlich nicht ändern...

Eure Cherry

P.S. Ein großes Dankeschön gilt natürlich auch der Frau Bäss für die Fotos und die Mitarbeit beim Drucken!!!!

Kommentare:

  1. Na, dann warten wir mal gespannt auf den nächsten Teil!
    *Chipstüte raushol*

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  2. Wow, wie toll!Wann geht`s weiter- zappel........menno...........womit kann man dich bestechen, daß du weiterschreibst?

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  3. Jetzt schwirrt mir das Gehirn in ein Geistersieb und wird weggekärchert--auweia---also noch mal langsam---wie Gut, dass Du in Fortsetzungen schreibst--

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  4. Kärchern is doch mal ne echt vernünftige Erfindung:)
    Weitermachen!

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  5. für mich als alter siebdruckfan einfach klasse! das nächste mal würd ich gern mal kärchern, sieht so cool aus!

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  6. Wie immer sehr lebendig und interessant geschrieben..;-)))
    ...Bin schon mächtig gespannt wie es weiter geht!

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  7. Spannend!
    Hab umgekehrt wie Kalle Geisterbilder in Hirn - hilft kärchern dann auch?

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  8. Geisterbilder wären doch grad genau richtig :)
    Super beschrieben! :) Und toll bebildert!

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  9. Bohäääh, was IHR alles könnt!!!
    .....immer wieder + so gerne meinen
    *RESchPEKT*
    hier abstell :-)))
    Grandioser Beitrag und Teil 3 kann kaum spannender werden!!! *♥zwinker*

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  10. *voll neidisch is ob dieses Schreibtalentes sich tief verbeugt* die Bess )

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Wer schreibt, bleibt!