Montag, 9. Oktober 2017

Herz am Montag Nr. 187 / Ein Herz für Barcelona

Es ist schön, neue Orte und Städte kennen zu lernen und ich hatte in diesem Jahr das Vergnügen, einige neue Eindrücke erhaschen zu dürfen.



Der letzte Ausflug war eine Geburtstagsreise, von Berlin über England nach Spanien und zwar zum schönen Barcelona, nach dem ich schon lange neugierig war. Brandaktuell war die politische Situation als wir dort waren, kurz vor dem Referendum in Katalonien über die Loslösung von Spanien. Das Referendum wurde von der Spanischen Hoheit verboten, was den Katalanen nicht daran hinderte, trotzdem abstimmen zu wollen und entsprechend sah das Straßenbild aus: Balkone waren über und über mit "Si"-Bannern geschmückt, oft begleitet von Fahnen in den katalanischen Farben. Ich bin kein Fan von nationalistischen Symbolen, aber ich sehe in der katalanischen Geschichte Parallelen mit der flämischen in Belgien über die ich gut Bescheid weiß.
Ich kann also nachvollziehen, dass der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung besteht, wenn die eigene Sprache nicht für offizielle Angelegenheiten genutzt werden kann, wenn Regieren in Bevormunden ausartet und ein Zusammengehörigkeitsgefühl besteht, das nicht gefördert, sondern unterdrückt wird.

Diese Zusammengehörigkeit habe ich in den letzten Septembertagen in Barcelona auf einer sehr angenehmen und friedlichen Art erleben dürfen. Punkt 22h klangen von überall her ungewöhnliche Laute. Es waren Klänge, die man so nicht oft hört: Das Schellen von Metalltöpfen und Pfannen, die gegeneinander geschlagen werden, simultan aus allen Richtungen auf den zahlreichen kleinen Plätzen und Balkonen. Man wähnte sich in einem Theaterstück. Menschen lächelten einen an und machten "Musik" bis Punkt 22.15h. Dann verstummte das Läuten genauso plötzlich und simultan wie es angefangen hatte. Die Protest-Viertelstunde war vorüber. Dieses spektakuläre Schauspiel wiederholte sich allabendlich.




Am Abend vor dem Referendum saßen wir gerade in einem Café und tranken Sangria als es losging. Angesteckt durch Gespräche mit Bewohnern, Plakate, Aufkleber und "Si"-Banner und auch durch die überaus entspannte Atmosphäre, die wir bei den Demonstrationen im Laufe des Tages und den anschließenden Kundgebungen erleben durften, nahmen wir solidarisch Schlüsselbund und Löffel und stimmten mit in die Viertelstunde der politischen Aufmerksammachung.

Ich habe Barcelona als eine überaus entspannte Stadt erlebt und das eine oder andere Herz im Vorbeigehen fotografiert. Ich hoffe aber sehr, dass die Situation dort nicht weiter eskaliert und ein friedlicher Kompromiss möglich ist.



Dieser Beitrag erscheint zeitgleich auf meinem eigenen Blog Kirschenzeit.

Es winkt Eure Cherry
von Cherry Bomb und Kirschblüten-Tsunami

Eure Herzen dürft ihr wie immer auch wieder hier unten verlinken:

Kommentare:

  1. Also, lasst uns heute achtsam lauschen und verstehen

    – für ein friedvolles und verständnisvolles Miteinander,
    für ein ermutigendes „Ich hör Dir zu und bin für Dich da“,
    für einen Moment erfüllt von Werschätzung und Empathie.

    Ich wünsch Euch einen wundervollen Wochenstart! *♥knuddel*

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    1. Ein bisschen mehr gegenseitige Wertschätzung und eine Schaufel voller Empathie würde jedem auf dieser Welt ganz gut tun :-)... Hab einen schönen Urlaub, Engelchen *♥auchknuddel*

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  2. Sehr schöne bunte Fotos, Frau Kirsche! Und gut, dass euch nichts passiert ist!

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    1. Dankeschön! Nein, am Sonntag habe ich eher sehr viele Wartestunden am Flughafen verbracht und sehr gründliche Sicherheitskontrollen über mich ergehen lassen müssen als dass ich mitten im Trubel war... LOL

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  3. In vielen Völkern wurde das Gezwungene wieder abgelöst, meist mit Blutvergießen...es ist wie eine Ehescheidung...dieses streben nach Unabhängigkeit nach Jahrzehntelanger Verflechtung.

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    1. Ja, ich bin auch eher eine Verfechterin des Miteinanders als des Gegeneinanders. Wenn man geschieden ist, kann man ja trotzdem im gleichen Haus wohnen und sich gegenseitig respektieren, denke ich. Dazu muss man nicht umziehen. Respekt und Wertschätzung des Anderen ist der Schlüssel zum Erfolg, denke ich, nicht Angriff und Unterdrückung.

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  4. Das Bild mit der Scheidung passt glaube ich ganz gut. Nach einer guten Trennung können alle noch vernümftig miteinander reden und erhobenen Hauptes daraus hervor gehen.
    Tolle Bilder!

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