Puh, ist das heute ein Tag. Da kommt der Osterspaziergang vom alten Goethe gerade Recht:
"Von dort her sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur."
Huh wie schaurig!
Da kann man nur den Tag in der muggeligen Kücher verbringen und Osterbort backen und Eier färben.
Bei uns in der Familie ist es Sitte, die Eier mit gerade erwachendem Grün zu verzieren. Nun mache ich das seit Jahren schon und bin immer wieder begeistert. Allerdings ist es dch mit ein wenig Arbeit verbunden.
Die Ausbeute
Beginnen wir mit dem zitiertem Osterspaziergang. Auf Diesem sammel ich Blätter und Gräser. In diesem Jahr ist die Ausbeute schon recht groß. Es gab Jahre, da lag der Schnee so lange, dass nur ganz winzige Blättchen zu finden waren.
die Farbtöpfchen
Jetzt werden die Eier hart gekocht und während dessen mache ich schon die Farbbäder fertig. Jeweils gut zwei Esslöffel Essig in jede Schale.
Blatt platzieren
mit Mull umwickelt
Auf die heissen Eier wird nun ein Blatt platziert und mit Mull dünn umwickelt. Der Mull wird an den Eienden fest zugebunden. Eine knifflige Arbeit, bei den heissen Eiern....
Eier im Farbbad und beim Abtropfen
Nun ab ins Farbbad und gut 5 min, besser etwas länger, färben.
Das fertige Ei abtropfen lassen. Jetzt die Mullenden aufschneiden und das frisch gefärbte Ei noch einmal zum Tropfen hinstellen.
Mein nächster Weg führt in den Heuschober, ein wenig Stroh fürs Körbchen holen.
Nun nehme ich ein weiches Tuch und etwas Butter und poliere die Eier. Schön platziert im frischen Stroh warten sie nun auf die fröhlichen Ostereieresser.
PS. In meiner Kindheit wurde ja der Ostermontag abgeschafft. Aber da wir Ferien hatten, hat uns das wenig gestört. Sobald die Eltern zur Abeit gegangen waren, trafen wir uns auf dem Autobahnberg zum Eier rollen. Dazu nahm jedes Kind die übriggebliebenen Eier mit und auf los gings los. Alle liessen ihre Eier den Autobahnberg (Kinder nicht nach machen!!!) hinunter rollen. Dessen Ei noch ganz blieb, derjenige hatte gewonnen und durfte alle Eier essen--hehe
Nachdem Doro gestern den Südwesten vorgestellt hat, zeig ich euch heute den Fasching im Süden. Bei uns geht man im Fasching Maschkera, die Verkleidung ist meistens eine Mischung aus alten Klamotten, diversem Krempel, den man nicht vermisst, wenn man ohne ihn heimkommt, ein wenig neu genähtem, alten Trachten und Farbe. Im gut sortierten Maschkerahaushalt gibt es mindestens eine Maschkerakiste, die all dies das Jahr über beherbergt, aus der immer mal was verschwindet und die durchaus auch auf einmal neue Stücke aufnimmt. Woher die kommen ist manchmal nicht so ganz klar. Der echte Maschkera verkleidet sich, mit mehr oder weniger Vorplanung, aber immer mit einer guten Geschichte, die er auf Lager hat. Maschkera gehen, heißt bei uns, wirklich in eine Rolle zu schlüpfen, diese den ganzen Abend durchzuhalten und mehr und mehr auszuschmücken. Da es keine wirklich großen Bälle mehr gibt, zieht man von Kneipe zu Kneipe und landet am Schluss so gut wie immer im Kaffee Glumphaufe,n um den Abend / Morgen oder Mittag ausklingen zu lassen, oder um einfach weiter durchzufeiern.
Der optimale Einstieg für den Nachwuchs ins echte Maschkerateiben ist
das Brezenangeln, welches schon immer am Faschingsdienstag stattfindet. 2
Pferdewägen, der eine mit Blasmusikern voran, der andere mit den
Brezenanglern - alles echte Maschkera - hinterher. An vier oder 5
Stationen gibts dann, für alle, die des Hüpfens mächtig sind, Brezen,
Würschtel (frisch aus dem Würschtelofen, der auch auf dem Wagen
mitfährt) und manchmal sogar Krapfen zum schnappen. Und springen muss
ein echter Maschkera schon können. Wenn alle Brezen weg sind, ziehen
wieder alle ihrer Wege... die kleinen zum Kinderfasching, die Großen in
den Glumphaufen und es wird weiter gefeiert, bis nachts um 12 mit dem
Kehraus die Faschingszeit ein Ende hat.
Bei mir hat das Maschkeratreiben die letzten Jahre ein wenig nachgelassen. Aber wenn die Patenkinder zum Brezenangeln wollen, dann muss ich natürlich mit.... Drum, diesmal ein fixgeschminkter Blitzauftritt - gestatten: Schacklin Cousteau die Urururenkelin...
Aber Schmarrn beiseite, ich hoffe, ich konnt euch einen kleinen Einblick geben in unseren Fasching.
Es grüßt die Diva von Andiva
Ich lebe seit fast 20 Jahren im so ziemlich äußersten südwestlichen Zipfel der Republik, im schönen, warmen (meistens jedenfalls) Freiburg. Als ich aus Bayern hierher zog, wusste ich wenig über die hiesigen regionalen und lokalen Bräuche. Schwäbisch-Alemannische Fasnet hatte ich wohl schon einmal gehört, aber ich konnte mir nichts rechtes drunter vorstellen.
Fasching sind für mich pappnasentragende, trötende, gröhlende, schunkelnde, albern angezogene Menschen, die sich in den Tagen und Wochen zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch zu kollektiven Frohsinns- und Besäufnisveranstaltungen treffen.
Wo Fasching draufsteht, ist Fasching drin. Punkt.
Gut, ich muss zugeben, dass ich als Kind Fasching toll fand. Da ich Anfang Februar Geburstag habe, war jeder Kindergeburtstag eine Faschingsfeier, und verkleiden fand ich klasse! Jedes Jahr überlegte ich mir ein neues Kostüm, das ich tragen würde. Als ich klein war, nähte meine Mutter die Kostüme, später tat ich das dann selbst.
Ich erinnere mich, dass ich eines Donnerstags im Februar in der Straßenbahn zu einer Freundin fuhr. Wir wollten zusammen kochen. Die Straßenbahn war vollgestopft mit seltsamen Gestalten, die alle geschnitzte Masken unterm Arm trugen und ständig Sprüche wie "fresse, saufe, Fasnacht, isch was de Fikse Spaß macht" zum Besten gaben.
Freiburger Fasnetrufer
Befremdet stand ich eingekeilt zwischen diesen seltsamen Menschen und hoffte, dass sie bald aussteigen würden. Es war "Schmotzige Dunschdig" und diese Menschen waren unterwegs zu einer der zahllosen Veranstaltungen. Was sie da anhatten, war keine Verkleidung, sondern ein "Häs" (oder Blätzleshäs) und was sie unter dem Arm trugen, keine Masken, sondern "Larven". Diese Menschen gehörten nicht etwa einem Karnevalsverein an, sondern einer Narrenzunft.
...hoorig, hoorig isch die Katz..
Übrigens hat "Schmotzig" nichts mit Schmutz zu tun, sondern leitet sich ab von Schmalz/Fett. Die schmalzgebackenen Fasnetküchle oder Scherben sind echt lecker. Ein ehemaliger amerikanischer Kollege erntete sehr erstaunte Blicke, als er im Sommer in einer Bäckerei "Berliner" kaufen wollte. Die gibt`s nur zu Fasnet, das weiß doch jeder!
Interessant sehen sie ja schon aus, dachte ich mir. Gehen wir doch mal zu dem Umzug am Fasnetmendig (Rosenmontag) und schauen uns das an.
In der Stadt waren allerlei Gestalten unterwegs... Hexen, Teufelsfiguren, Tiergestalten, Fratzen... manche mit Saublodere (Schweinsblasen) und Streckscheren bewaffnet, andere mit Besen... ein kleines bisschen unheimlich war das schon.
Und es hatte nichts, aber auch gar nichts mit Pappnasen zu tun! Und... was ist denn das? Keine "Ein Prosit der Gemütlichkeit..." oder "Mer lasse de Dom in Kölle..."-Gesänge, sondern schräge und vor allem laute Musik! Das Stück da kenn ich doch? Oder doch nicht? Gugge nennen sich die Musiker und ihre Musik heißt - logischerweise - Guggemusik. Jede und jeder kann so einer Truppe beitreten, es gilt ja in erster Linie laut zu sein. Die schrillen und verrückten Kostüme der Musiker sind ein schöner Kontrast zu den Kostümen der Zunftnarren.
Weißnarren
Die Figuren variieren von Region zu Region. Während man im
alemannischen Teil Badens eher Fratzen, Hexen und Teufel findet, sieht man
Richtung Baar Weißnarren in kunstvoll bemalten oder bestickten Leinengewändern, im Bodenseeraum und in Oberschwaben Blätzle-, Spättle- oder Flecklenarren, die anstelle von Holz- Stoffmasken vorm Gesichttragen. Eine besondere Variation sind die Wilden Leute, wie der Hoorige Bär der Poppelezunft aus Singen, dessen Kostüm mit Stroh verziert ist.
Die Kleidung der Hexen lehnt sich meist an traditionelle Frauenkleidung an. Oft tragen Hexen- und Teufelsfiguren geflochtene Strohschuhe, die Schwarzwälder "Finken".
Das närrische Treiben ist straff durchorganisiert.
Man kann sich
nicht einfach eine Maske in einem Laden kaufen, irgendein Häs anziehen und einfach losgehen,
sondern man muss einer der zahlreichen Narrenzünfte angehören.
Jede Zunft hat
ihr eigenes Häs und eine eigene Maske. Allein in Freiburg gibt es um die 35 Zünfte, die auf unterschiedlich lange Traditionen zurückblicken
können. Die Masken und Häs sind handgeschnitzt bzw. handgefertigt und werden oft von Generation zu Generation weitervererbt.
Günterstaler Bohrer
Mitunter basieren die Figuren auf lokalen Sagen oder Begebenheiten. Die Günterstaler Bohrer mit ihren korkenzieherartigen Nasen spielen auf die Geschichte an, dass sich Günterstal in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zum Heilbad aufschwingen wollte. Am Hölderlebach wurden Quellen vermutet und es wurde gebohrt... Heilwasser indes wurde nicht gefunden, die Günterstaler warten noch heute drauf...
Gässlevieh St. Georgen
Die Schwäbisch-Alemannische Fasnet hat ihre Hochzeit - wie andernorts auch - vom Donnerstag der Faschingsvorwoche bis Rosenmontag bzw. Faschingsdienstag. In den Umlandgemeinden und auch in einigen Stadtteilen beginnt der "Schmotzige Dunschdig" mit den "Hemdglonki"-Umzügen. Die Hemdglonki (oder Hemdglunker) tragen weiße Nachthemden und Glocken (Schelle), mit denen sie meist rhythmisch klingeln.
Am Schmotzige Dunschdig wird das Freiburger Rathaus von Narren besetzt, auf dem Rathausplatz der Narrenbaum aufgestellt und überall sieht man auf einmal Hästräger, die kunstvoll geschnitzten Masken unterm Arm oder vor dem Gesicht, allein oder in Gruppen durch die Stadt ziehen.
Man merkt der Fasnet ihren heidnischen Ursprung an, der Winter wird mit Feuer und unheimlichem Treiben verjagt. Wer würde nicht vor einer Reisigbesen schwingenden Hexe davonlaufen?
Jeden Sonntag ("Schiibesundig") nach Fasnet findet auf dem Schönberg am südlichen Rand von Freiburg und auf vielen anderen Bergen das "Schiibeschlage" statt. Buchenscheiben werden im Feuer zum glühen gebracht und mit Stöcken den Berg heruntergeschlagen.
Besonders beeindruckend fand ich einen Besuch beim Umzug der Elzacher "Schuttig". Die Schuttig tragen rote Häs, einen Dreispitz, der mit Weinbergschneckenhäusern und roten "Bollen" verziert ist und die wunderschönen, handgeschnitzten Masken. Leider habe ich es noch nie geschafft, am Schmotzige Dunschdig nach Elzach zu fahren, denn dann findet ein Fakelumzug statt. Die Hauptstraße ist voller Schuttig, die im Takt des Schuttigmarsches springen und hüpfen. Sogar die Allerkleinsten im Kinderwagen stecken schon im Häs. Allen voran läuft die Kapelle (übrigens mit sehr kuriosen, schultütenartigen Hüten auf dem Kopf), gefolgt vom einzigen schwarzen Teufelsschuttig, der seine hüpfende Truppe anführt.
Man weiß ja, dass unter jeder Maske und in jedem Häs ein Mensch steckt, aber so eine Straße voller rotgewandeter, maskentragender "Wesen"... das ist unheimlich. Ach, und eins mit der Saublodere übergezogen zu kriegen, tut übrigens weh!
Wenn die Fasnet in der Nacht von Fasnetdienstag auf Aschermittwoch
zuende geht, wird in vielen Städten die "Fasnet begraben". Der
Narrenbaum wird "gefällt" und der Alltag kehrt ein. Am
Aschermittwoch treffen man sich auf dem
Rathausplatz zur Geldbeutelwäsche. Abschied von der Fasnet... bis zum
nächsten Mal... 's goht wiedr dagege...