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Donnerstag, 3. Mai 2012

Der Elternabend oder...

...das Grauen muss endlich ein Ende haben.
Werte Zuleser, wie schon angekündigt, gab es diesen Monat eine Fortsetzung vom Elternabend zum Thema Klassenfahrt- jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Elternabend zum Thema Elternabend.
Gestern war ein schöner Tag, die Elfe war völlig entspannt und die Ölfe irgendwo tief vergraben.
Diesmal wollte ich Alles anders machen. Da ich zwischenzeitlich verdrängt hatte, wie der letzte Abend ausging, habe ich meinen eigenen Post noch einmal durchgelesen. Ich wollte mich vorab abhärten und mental auf Alles einstellen, als mein Blick auf einen anonymen Kommentar fiel: "Ui wie hassig"- aaaaaaaaah jaaaaaaaa.
Also wer aus dem letzten Elterabend- Bericht geschlossen haben könnte, dass die Ölfe zu Gewalt neigt, der hat das schon richtig erkannt. Allerdings muss man, um eine Information vollständig erfassen und bewerten zu können, alle anderen Information drum herum MIT lesen!
Die Ölfe kommt NUR in Extremsituationen aus ihrem Versteck, die Elfe jedoch tut Tag und Nacht alles nur Erdenkliche, um DAS zu verhindern. Wenn die Ölfe dann doch mal zum Vorschein kommt, spielt sich Gewalt hauptsächlich in deren Kopf ab, aber mit ohne Blut- und Splatterphantasien.
Der vorletzte Absatz mag dem sensiblen Zuleser vielleicht zu viel des Schlechten gewesen sein, aber die Art von Angreifer (in Gedanken ein nur schemenhaftes Phantom), die sich die Ölfe auf dem Nachhauseweg vorgestellt hat, würde JEDER gerne mal zu Klump hauen und sei es eben nur per Kopfkino.
Die Ölfe hat schließlich noch nie davon geträumt, kleinen Teacup- Schweinchen den Kopf abzubeißen.
Wie dem auch sei, ich glaube fest daran, dass man jeden Tag sein Bestes geben sollte, also nehme ich diesen grammatikalisch wertvollen Kommentar zum Anlass, dieses Mal ganz in Echt und mit strenger Selbstdisziplin gaaanz brav zu bleiben.
Um den Verlauf des Abends besser rüber bringen zu können, muss ich noch erwähnen, dass das Klassenzimmer auf der Sonnenseite liegt- den ganzen Tag über. Lüften kann man allerdings nicht, weil der Lärm der vorbeifahrenden Autos jedes Wort im Smog ersticken würde.
Vor der Tür treffe ich eine andere Mutter und obwohl ich höfliche Gespräche übers Wetter echt überflüssig finde, schaffe ich es- lächelnd- den ganzen Weg bis nach oben bei dem Geplänkel mitzumachen.
Wir betreten die Klasse und finden uns in gefühlten 50 Grad Zimmertemperatur wieder, die Luft ist zum Schneiden dick, also schon mal ideale Voraussetzungen für einen friedlichen Plauderabend.
Ich verkrümel mich sicherheitshalber in die hinterste Reihe und stelle mit Erstaunen fest, dass immer noch mir völlig unbekannte Eltern den Raum betreten, besonders Hartgesottene bringen sogar Verwandtschaft mit.
DER Vater betritt den Raum, lärmend und Zoten reissend, da murmelt es neben mir: "Boah, DER schon wieder, der geht der mir vielleicht auf den Sack." Mein Blick fällt auf eine zierliche, hübsche Frau, die ich auf Anhieb ins Herz schließen kann. Bin ich also nicht die Einzige, die hier an ihre Grenzen kommt.
Es werden schnell zwei Zettel verteilt, ich freue mich und bin mir sicher, dass wir gleich wieder nach Hause können.
Doch es zeigt sich rasch, dass überdosierter Optimismus ein hinterhältiges Biest sein kann- wir sitzen am Ende länger in dem abgestandenen Mief, als auf je einem Elternabend zuvor.
Doch der Reihe nach:
Der erste Zettel beinhaltet die Adresse der Jugendherberge, die Telefonnummer für den Notfall, die Aufforderung den Impfpass und die Versichertenkarte in einen verschlossenen und das Taschengeld in kleinen Scheinen in einen anderen, unverschlossenen Umschlag zu stecken, die Bitte, die Begleitpersonen VOR der Fahrt über eventuelle chronische Krankheiten oder Allergien zu informieren, der Hinweis, dass Bettwäsche im Preis enthalten ist, der Hinweis, dass bei Verlust von elektronischen Geräten kein Haftungsanspruch geltend gemacht werden kann, der Termin und die Uhrzeit der Abfahrt, der Termin und die ungefähre Uhrzeit der Ankunft, mit dem Zusatz, dass der Elternbeirat von unterwegs aus über die genaue Ankunftszeit informiert wird und als letzten Punkt der Vorschlag, die zuletzt genannte Info per Telefonkette weiter zu geben.
HALLOOOOOOOOOO, wenn jetzt wem was unklar ist, KANN ich nicht wirklich ruhig bleiben, da spüre ich körperlich die Ölfe in mir zerren und reissen. Wer es schafft, unter den erwähnten Bedingungen, am Abend, wo die meisten erschöpft vom Tagewerk sind, manche übermüdet und schwer unterzuckert, Konstanze zu bewahren, eingepfercht mit Menschen, die sich zum größten Teil weder kennen noch leiden können, gedrängt auf viel zu kleinen Stühlen, also der verdient wirklich meine persönliche Hochachtung. Ich schaffe es nur den Mund zu halten, weil ich es mir geschworen habe und zu meinem Wort stehe!
Wirklich ALLES wird mindestens 5-10 Minuten besprochen, es wird darüber diskutiert, dass die Kinder 5 Tage unterwegs sind, aber "nur" 4 Geldscheine haben und wie die Lehrer gedenken, dieses Dilemma gerecht zu lösen, zwischendurch rufen Eltern die Krankheiten und Beschwerden ihrer Kinder rein, wir landen sogar beim Zahnungsdurchfall irgendjemandes Cousin, und der An- und Abreisetermin führt fast zur Massenschlägerei, weil sich irgendwie niemand darüber einigen kann, ob wir uns VOR der Schule oder 100 Meter weiter UMS Eck treffen sollen. Die Mutter neben mir, rollt nur noch wild mit den Augen, Knirschgeräusche verraten mir, dass sie sich Zähne zusammen beißend zurück hält. Andere sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, was sie machen sollen, wenn sie ihren Nächsten auf der Telefonliste nicht erreichen können.
Dann stimmen wir darüber ab, ob die Kinder Handys und sonstiges Elektrogedöns mitnehmen dürfen. Das ist schnell entschieden, bringt aber wieder einige Eltern an ihre Grenzen. Eine Mutter ist den Tränen nahe, weil sie 10 Minuten lang die demokratische Entscheidung anzufechten versucht und am Ende vom Lehrer mit den Worten: "Ihr Junge wird es überleben" abgewürgt wird. Sie dreht sich rum und schreit uns alle an, dass wir ihr schwören sollen, dass sich alle an die Abmachung halten. Allmächtiger!
Endlich finden wir uns bei der Liste der einzupackenden Gegenstände wieder.
Nach drei Sätzen wünsche ich mir DEN Vater herbei, der sonst immer alles per Videokamera festhält, denn diesen Irrsinn kann ich gar nicht mehr ausführlich wieder geben, es war so herrlich, ich habe Tränen gelacht!
Vielleicht ist der Lehrer von Natur aus so köstlich bissig, vielleicht ist die Ölfe auch nur heimlich in meinem Tascherl mitgekommen und hat Besitz von ihm ergriffen, man weiß es nicht.
Auf die Frage nach der Anzahl der einzupackenden Unterhosen, sagt er: "Also ich nehme vier mit, aber ich schätze, dass sie sich glücklich schätzen können, wenn sich ihr Sohn auch nur einmal ne frische Bux anzieht."
Das bringt mich zu dem Wunsch, sein Konterfei auf ewig in Buttonform mit mir rumtragen zu wollen.
Auf der Liste steht Bastelkleber, eine Mutter will es jetzt aber ganz genau wissen.
Seine Antwort: "Ich bitte um Kleber MIT Lösungsmittel, schließlich solls ja auch kleben, und ich verspreche ihnen, dass ich ihre Kinder vom Schnüffeln und Verschlucken giftiger Substanzen abhalten werde."
Wenn ich mir jetzt meines Vaters nicht so sicher wäre ( Papa- RIP!), würde ich den Mann direkt um einen Vaterschaftstest bitten!
Ein Vater will wissen, warum man den Kindern 2 Wäscheklammern mitgeben soll.
"Also wissen sie, vor dem alltäglichen Umgang mit Handys und MP3- Playern hat es sich als nützlich erwiesen, nasse Wäsche aufzuhängen, zu meiner Zeit haben wir das Ganze mit Wäscheklammern fixiert."
Nun möchte ich eigentlich trotzdem gerne von ihm adoptiert werden.
Und als eine Mutter fragt, wie denn der "Beutel" auszusehen habe, in der die Kinder ihre Muscheln sammeln können und er ganz trocken antwortet: "Kennen sie Plastiktüten?", kann ich mir sogar vorstellen ihn zu adoptieren!
Ich komme nun erschöpft dem Ende zu, denn die Erinnerung an diesen Abend hat mich wieder ganz schwurbelig gemacht. Ich kann Euch aber noch berichten, dass sich das Ganze bis kurz vor 22 Uhr hingezogen hat und nicht wenige Eltern überstürzt den Raum verlassen haben.
Aber ich war wunschlos glücklich und alles Andere als "hassig".

ALLES WIRD GUT!

Bis zum nächsten Mal, mit sehr amüsierten Grüßen
Eure Susannelfe

Kommentare:

  1. LOOOOOOOOOOL... Und Sie mussten nicht wenigstens EINMAL innerlich "Puschelhasi" aufsagen???? *rätselt*

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    1. Nicht einmal, geschwört ist geschwört!

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  2. kann mir mal jemand ein Taschentuch reichen, ich muß drölf Liter Lachtränen wegwischen, was war das wieder hassig heute.. hach, das Wort trifft es ungemein, lieben Dank an den edlen Spender, ich hoffe, die Spende war umsonst.

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  3. Den Lehrer würd ich mir auch halten!

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  4. :) Wurde die Anzahl der maximalen Muschelmenge reziprok zur Größe des Beutels denn nicht einmal ansatzweise diskutiert?
    *dasfüreingefährlichesVersäumnishält*

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  5. ..._▄▄_...Welch ein amüsanter
    (¯`(ړײ)¯)(¯`ღ´¯)
    ..`•.¸(¯´ღ´¯)¸.•´Elternabend
    ........`•. ¸.•´
    http://www.youtube.com/watch?v=3_Pweow03yI
    ...sooo grandios erzählt ;-))) *♥LOL*

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  6. Geil, geil, geil!

    Ja, so muss das sein!
    Schwill auch so ne Lehrer ham!!!!
    Weil: Solche Eltern haben wir zuhauf!
    (Eine Mutter hatte ernsthaft vor, sich ein Zimmer in der selben Jugendherberge zu organisieren... Wurde verboten!!! Und prompt durfte Töchterlein nicht mit!!

    Bei uns sind se ab der ersten Klasse auf Klassenfahrt gefahren und ich muss sagen, jetzt in der vierten, sind die Eltern langsam entspannter. Fragen nach Taschengeld (5 Euro für die ganze Woche, hab ich durchgesetzt! *voll stolz bin*) haben sich erledigt. Die Kids überleben es tatsächlich und unser Junior bringt in der Regel seine gesamte Kohle wieder mit heim!
    Genauso handhabt er es mit der gesamten sauberen Wäsche. Die kann ich genau so schön gefaltet und geordnet grad wieder in den Schrank räumen. Dafür sind die Socken durch. Die werden nämlich nie ausgezogen.

    Nee, ich mag Klassenfahrten! Kinder sind danach auch so schön dankbar. Für ein sauberes Bett ohne Chipskrümel.
    Für ein Frühstück ohne Hagebuttentee.
    Für Nachtruhe ab 18:00 Uhr! Wunderbar!

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  7. Frau Elfe ,
    isch liebe Sie ♥
    Habe gerade Tränen gelacht !

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